Heinrich Schirmbeck: „Die Zukunft und die Evolution des Gewissens 1955“.

„Das größte menschliche Gebet bittet nicht um den Sieg, sondern um Frieden.“
―Dag Hammarskjöld-

Das einigende Band, das uns alle umschlingt, ist der Informationsfluss, der von Zelle zu Zelle, von Individuum zu Individuum strömt. Am ausgeprägtesten und schönsten in der Sprache des Menschen, die nur eine symbolische Form der Liebe ist.
Die Zukunft wird uns nicht in den Schoß fallen. Sie ist zu einem wesentlichen Teil auch die Frucht unserer divinatorischen Fähigkeiten, unseres Ahnungsvermögens für das, was die Evolution, deren höchstes und bewusstes Organ wir selber sind, für uns bereithält. Wir werden die Erfordernisse der Zukunft zu erkennen versuchen, um rechtzeitig die Mittel bereitstellen zu können, deren unsere Enkel und Urenkel bedürfen, um die Aufgabe ihrer jeweiligen Gegenwart zu bestehen. Zukunftsplanung ist zu einem Instrument der Evolution geworden.

Das Leben ist ein ungeheuer kompliziertes und verletzliches kybernetisches System, das sich selbst regeln würde, wenn nicht seit einigen hunderttausend Jahren ein Fremdkörper zunehmende Macht in ihm gewonnen hätte: der menschliche Intellekt. Ursprünglich hat ihn das Leben zu dem Zweck geschaffen, seine eigene Evolution zu beschleunigen, als Stimulans und Reizfaktor gewissermaßen der, selbst eine Art kybernetischen Computers, im großen ökologischen Regelsystem nun sein eigenes Programm zur Geltung bringt, eine große Zahl neuer Sollwerte konstituiert und sich als >Führungsgröße< nun allen anderen vor ihm existierenden kybernetischen Systemen –ausschaltet- und deren Sollwerte nach eigenem Belieben –verstellt-. Dabei unterlaufen ihm Irrtümer; die ineinander verflochtenen Systeme wachsen über seine eigene Begriffskapazität hinaus. Er steht vor einem Labyrinth und weiß keinen anderen Ausweg als die Errichtung einer künstlichen kybernetischen Welt, einer Welt der Computer, die ihm die verlorene Orientierung zurückgewinnen sollen.
Aber die Computer vermögen nur dann wieder Ordnung zu schaffen, sagen einige Kulturkritiker, wenn sich das Gehirn sich selbst zu einer höheren Leistungspotenz emporzüchtet. Vielleicht sind die Wissenschaftssiedlungen von einer Explosion der Genies aus den Intelligenz-Gettos vor solcher Wahrheit nicht allzu weit entfernt. Der Einfluss des Milieus, des zweiten genetischen System, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Aber mit welcher Art von Genies hätten wir dann zu rechnen? Es würden vorwiegend wieder Mathematiker, Physiker, Chemiker, Molekulargenetiker, Biophysiker sein. Gehirne also, die das Leben quantitativ-mathematischen Kategorien zu fassen versuchen. Keine Genies der Humanität, der sozialen Harmonie, Genies die aus den revolutionierten Bedingungen der gesellschaftlichen Verfassung, der psycho-sozialen Welt, die Axiome einer neuen Sittlichkeit und Ethik zu konzipieren vermögen.
Wir brauchen zwar das naturwissenschaftliche Genie, wenn diese Menschheit biologisch weiter existieren soll, wir brauchen aber noch weit dringender das ethische Genie, das uns den Weg zum wahren Menschsein zeigt.

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