Gedanken zur Europäischen Genossenschaft mit Blick auf Griechenland

„Für eine Welt der Hoffnung“

Die Entwicklung der vergangenen Jahre sowohl auf dem Globus als auch auf dem europäischen Kontinent, haben uns in der Einschätzung dessen, was wir mit HUMAN EDEN | UNITED CO-OPERATIVE NATIONS erreichen wollen und können, durchaus bestätigt.

Werfen wir doch gemeinsam einen Blick auf die Entwicklung in Griechenland: die Historie der griechischen Agrarwirtschaft ist geprägt von zwei herausragenden – wenn auch völlig unterschiedlichen – Herangehensweisen.

Einen ersten Meilenstein dieser europäischen Kulturgeschichte gemeinschaftlichen Handelns finden wir in Ambelakia. >>Wer den Ort Ambelakia heute in Griechenland sucht, wird Mühe haben. Obwohl nur wenige Kilometer vom bereits seit der Antike gerühmten mythischen Tempe-Tal und der heute verkehrsreichen Autobahn Thessaloniki-Athen entfernt, liegt dieser Berghort verschlafen am Hang des Ossa, gegenüber der wunderbare Blick auf den Götterberg Olymp. Vor 200 Jahren lebten hier 6000 Menschen und es gab eine reiche kulturelle Vielfalt, die in ihren verwirklichten Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in dieser Form nirgendwo im Übrigen damaligen Europa ihresgleichen fand.<<(3)

Dieser Meilenstein steht für den Mut, die bestehende Situation aus einer anderen als der gewohnten Perspektive fortschrittlich anzupacken. Während in Europa weitgehend das Handeln von der Denkweise des Absolutismus geprägt ist, wagt eine griechische Gemeinde den Schritt zu mehr Selbstverantwortung, Selbstverwaltung und Selbstbestimmung:

>>Die Koine Syntrophia, wie die Gemeinsame Gesellschaft sich dann 1795 nennt, gibt sich in Ambelakia eine fortschrittliche Verfassung, die vieles vorwegnimmt, was die revolutionäre Verfassung Frankreichs noch nicht bedachte und erst die französischen Sozialutopisten forderten: z.B. das Recht auf Ausbildung, eine Altersrente, eine Kranken- und Armenfürsorge, die ökonomische Teilhabe aller in Form von Aktien, am erarbeiteten Mehrwert und die damit verbundene Mitentscheidung für alle, Mann, Frau, ja selbst Kind. Die Regeln der Teilhaber sind streng. Nur Angehörige aus Ambelakia können Anteile zeichnen und nur eigenes Kapital darf verzinst werden. Kein fremdes Kapital darf aufgenommen werden. Ein Austritt aus der Gesellschaft kann nur in Ambelakia erfolgen und nur zwei Bevollmächtigte der Genossenschaft dürfen die Bücher einsehen. Sollte ein Mitglied Verwirrung, Unruhe und Schaden verursachen, soll er von der Genossenschaft ausgeschlossen werden und der von ihm bedingte Schaden ihm angerechnet werden und er soll sein Kapital nur nach der nächsten Bilanz erhalten, wenn er eine schriftliche Erklärung abgibt, dass damit alle seine Forderungen abgegolten sind.<<(3)

Diese in ihrer Zeit durchaus fortschrittliche Herangehensweise führte die Gemeinschaft zu großem – fast europäischen – Erfolg. Der britische Diplomat D. Urquardt berichtet uns 1830 anlässlich seines Besuches an diesem Ort:

>>Das einzige Geheimnis seines Aufblühens bestand in der trefflichen Festlegung der Interessen, in der freien Wahl seiner Beamten, in der unmittelbaren Nachrechnung der Ausgaben und folgenderweise in der Vereinigung der Interessen durch den gemeinsamen Druck der Lasten und in der Vereinigung der Sympathien durch das sanfte Fortwirken des einfachen Mechanismus.<<(3)
Mit dem riesigen Erfolg verließ die Gemeinschaft die fortschrittliche Ausgangsbasis und erlag den Verlockungen der Aktiengesellschaft – mit den Worten des britischen Diplomaten: >>Misstrauen, Neid und Eigennutz, all die kleinen zänkischen Leidenschaften haben schon die Fundamente dieser Neuen Gesellschaften unterminiert und es ist vorhersehbar, dass diese Companie nur eine vorübergehende Erscheinung sein wird.<<(3)
In der Folge verließen die Arbeiter, Bauern und Händler ihren fortschrittlichen Weg und trampelten die immer breiter werdenden Pfade der Industrialisierung und des (Früh-)Kapitalismus.
Ansätze zu einer Stärkung der landwirtschaftlichen Gemeinschaft durch gegenseitige Selbsthilfe in Selbstverantwortung und Selbstverwaltung finden wir dann wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
>>Hierbei handelt es sich um den Weg des griechischen Bauern vom landlosen Hörigen des Großgrundbesitzes zum auf eigener Scholle tätigen kleinbäuerlichen Eigenbesitzer. Zum anderen geht es um die Befreiung des griechischen Bauern vom Wucherer und seine Eingliederung in die moderne Kreditwirtschaft, d.h. um den Aufbau des Agrarkreditwesens in Griechenland. Schließlich ist von besonderer Bedeutung die Heranführung des griechischen Bauern an die neuzeitliche Form der Zusammenarbeit mit seinesgleichen, d.h. der Aufbau des Genossenschaftswesens.<<(4)

Wenngleich der Aufbau des griechischen Agrarkreditwesens für eine gewisse (scheinbare) Stabilität zum Start ins 21. Jahrhundert geführt hatte, so kam zum Ende der ersten Dekade dieses neuen Jahrtausends doch der (gesamt-)wirtschaftliche Zusammenbruch Griechenlands in der europäischen Staatengemeinschaft.

Die gemeinsame Bewältigung der Krise fand und findet mit den traditionellen Mitteln und Wegen der sogenannten internationalen Staatengemeinschaft statt.

An dieser Stelle erlauben wir – HUMAN EDEN | UNITED CO-OPERATIVE NATIONS – uns die Fragestellung: ist das wirklich eine GEMEINSCHAFT ? oder nicht vielmehr ein Zweckbündnis zur Erreichung individueller Interessenslagen?

Einen bilateralen Ansatz haben die Regierungen Griechenlands und Deutschlands innerhalb der Europäischen Union im Jahr 2010 gefunden:

Die Deutsch-Griechische Versammlung (DGV) soll ein Netzwerk aus Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zwischen Deutschland und Griechenland werden. Im Mittelpunkt der DGV stehen die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen deutschen und griechischen Kommunen, Regionen und Bürgern mit konkreten Projekten vor allem auf kommunaler Ebene.(1)
Die DGV arbeitet überparteilich. Sie soll mit ihrer Arbeit dazu beitragen, bestehende Vorurteile infolge der wirtschaftlichen und medialen Krise zwischen beiden Ländern abzubauen, die deutsch-griechischen Beziehungen zu verbessern und den europäischen Gemeinschaftsgedanken nachhaltig zu verankern.(1)
Im November 2016 fand auf dem Peleponnes die sechste Jahreskonferenz mit über 400 Vertretern der Zivilgesellschaft aus Griechenland und Deutschland statt.
>>Alexis Bakouros vom griechischen Landwirtschaftsministerium betonte in seinem Statement, dass die griechische Regierung beabsichtige, das Genossenschaftswesen auf neue gesetzliche Grundlagen zu stellen, um mit den schlechten Gewohnheiten der Vergangenheit aufzuräumen und die Leistungsfähigkeit von Agrargenossenschaften zu erhöhen. <<(2)
>>Yannis Grypiotis, Bürgermeister von Evrotas / Lakonia, hob in seinem Beitrag die Notwendigkeit hervor, landwirtschaftliche Genossenschaften durch die Kommunen gezielt zu unterstützen und das Vertrauen der Bauern in die Genossenschaften gezielt zu stärken.<<(2)
Im Sinne von HUMAN EDEN | UNITED CO-OPERATIVE NATIONS müssen wir zu tatsächlich gemeinschaftlichem Handeln mit einer fortschrittlichen Herangehensweise gelangen. Ein Instrument liegt für uns griffbereit auf dem Tisch: die Europäische Genossenschaft, auch Societas Cooperativa Europaea (SCE) auf Latein.
Für die Erreichung unserer Ziele fordern wir eine andere Herangehensweise an die Aufgaben als es bisher geschah. Dabei sehen wir keinen Platz für absoluten Egoismus, absolute Gier und individuelles Machtstreben.
Um mit Heinrich Schirmbeck zu sprechen: FÜR EIN WELTGLEICHGEWICHT DES VERTRAUENS!
UNITED CO-OPERATIVE NATIONS | HUMAN EDEN im März 2017
Datenquellen:
(1)https://de.wikipedia.org/wiki/Deuts… – aufgerufen am 04.03.2017
(2)http:// www2.hss.de/internationale-arbeit/t… – aufgerufen am 04.03.2017
(3) Ein Bericht von ◆Ulrich Bernhardt◆ aufgerufen auf http:// photopedia.info/ – aufgerufen am 05.03.2017
(4)aus: Existenzfragen des griechischen Bauerntums – Agrarverfassung, Kreditversorgung und Genossenschaftswesen von Dr. Friedrich Karl Kienitz, Berlin 1960
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