Mit Nibelungentreue in den Untergang?

Eine Zeitkritische Betrachtung die nicht nur auf das Jahr 1981, dem Jahr in dem dieser Beitrag publiziert wurde, Bedeutung hat und wieder erlangen sollte.

Vorgänge Nr. 51 Zeitschrift für Gesellschaftspolitik Ausgabe Juni 1981

Beitrag verfasst von: Heinrich Schirmbeck


Titel: Mit Nibelungentreue in den Untergang?
Untertitel: Gedanken eines Demokraten zum 8. Mai (1945)
reflektiert am 8.Mai 2022

Der 8. Mai 1945 ist nicht nur der Tag, der die militärische Befreiung weiter Teile Europas von einer der entsetzlichsten Schreckensherrschaften der Geschichte, den Hitlerfaschismus, vollendete, sondern auch der Tag, der das deutsche Volk selber von dieser Pest befreite. Der dafür bezahlte Preis: 50 Millionen Tote (20 Millionen alleine in der Sowjetunion), Gefallene, von Bomben zerrissene, Vergaste, Hingerichtete, Gefolterte, ist der fürchterlichste Blutzoll, der jemals in der Geschichte für die Befreiung von einer Schreckenskandidatur gezahlt wurde.
Die Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und alle diejenigen die sich für ein entmilitarisiertes, demokratisches, der Humanität und Völkerverständigung verpflichtetes Deutschland einsetzten, sahen in der Katastrophe zugleich eine Garantie, dass nie wieder eine solche massenmörderische Vernichtung von deutschem Boden ausginge.
Diesem politischen Willen, der im Grundgesetz klaren Ausdruck fand – (z.B. in Artikel 26 Abs.1, winach Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, verfassungswidrig und unter Strafe zu stellen sind; §80 unseres Strafgesetzbuches enthält die teilweise Ausführung der im Artikel 26 GG enthaltenen Gesetzgebungsaufträge) – diesen politischen Willen also gilt es heute, sechsunddreißig Jahre nach der Katastrophe, mit Zähnen und Klauen zu bewahren und zu verteidigen.
Denn das in Artikel 26 verankerte Friedensgebot ist kein bloßer Programmsatz, sondern unmittelbar verbindliche Grundsatznorm für die Gesamte Rechtsordnung.
Die besondere Bedeutung dieses Artikels liegt in der Unterstellung der deutschen Außenpolitik unter das Völkerrecht.
Der damit bezweckte Beitrag zum Weltfrieden besteht darin, „vor der eigenen Tür zu kehren: Jedenfalls soweit der eigene hoheitliche Einfluss reicht, soll die deutsche Friedensbereitschaft nicht mehr im klassischen Sinne des ius ad bellum politisch disponibel, sondern von Verfassung wegen justitiabel sein und dadurch glaubhaft nach innen und außen demonstriert werden“ (vonMünch/Hernekamp, GG-Komentar, München 1976)
Darüber hinaus – ich werde auf das Friedensgebot des Grundgesetzes im Zusammenhang mit der von der NATO beschlossenen offensiven atomaren Aufrüstung der Bundesrepublik Deutschland im Interesse eines von der USA in strategische Erwägung gezogenen ersten Atomschlags gegen die UdSSR unter Schonung ihres eigenen Areals noch zu sprechen kommen – darüber hinaus gilt es, das Grundgesetz, immerhin (auf dem Papier noch) eine der freiheitlichsten Verfassungen der bisherigen politischen Geschichte, nicht nur vor Aushöhlung zu schützen, sondern es gilt vor allem auch, seine demokratische Substanz, die bisher auf vielen Gebieten brachlag, endlich in politische und gesellschaftliche Praxis umzusetzen.
Das ist die große Aufgabe aller demokratischen Kräfte in ihrem Kampf gegen offene und versteckte Formen der Refaschisierung, gegen die Besetzung einflussreicher Staatsämter mit ehemaligen Nazifunktionären, gegen die Militarisierung der Polizei, gegen die Überwachungs- und Geheimdienstpraktiken der datenbankgespeicherten Verfassungsämter, gegen die Einschränkung der Grundrechte, vor allem des Demonstrationsrechtes, gegen Berufsverbote, gegen Notstandsgesetze, die eines Tages, käme es z. B: zum Volksaufstand gegen die uns von den USA und der NATO aufgezwungene, unser nacketes Überleben bedrohende Aufrüstung gegen die UdSSR, eine ähnlich verhängnisvolle Rolle spielen könnten wie Hitlers berüchtigtes Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933.

Es gilt zu verhindern, daß der fürchterliche Preis der Katastrophe von 1945 umsonst gezahlt worden ist. Ihn ein zweites Mal zu zahlen, würde gleich das Ende für alle bedeuten.

Die völkerrechtliche Situation der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der Sowjetunion
mehren sich die Anzeichen, daß unsere mächtigen „verbündeten“, vor allem anderen die USA, mit dem Gedanken spielen (ihn womöglich schon in ihre globale nuklear-strategische Konzeption einbezogen haben), uns zu ihrem eigenen Nutzen und im Interesse ihrer eigenen Unversehrtheit, den fürchterlichen Preis von 1945 noch einmal zahlen zu lassen, aber diesmal in einem atomaren Inferno, schlimmer als das, das sie 1945 ohne militärische Notwendigkeit, aus reiner Macht- und Zerstörungslust, den japanischen Städten Hiroschima und Nagasaki bereiteten?

Seit der Verabschiedung des NATO- Aufrüstungsbeschlusses vom Dezember 1979 quält und verfolgt mich der Gedanke, wie die geplante und beschlossene Bestückung der Bundesrepublik, unseren geliebten Heimatbodens, mit einer neuen, seit langen entwickelten „Generation“ nicht mehr destruktions-streuender sondern ziel-präzisierte nuklearer Angriffswaffen (Pershing II und Cruise Missiles), die geeignet sind, in einem Erstschlag die Sowjetunion bis zum Ural vernichtend zu treffen, mit der völkerrechtlichen Situation der Bundesrepublik als ehemaliger Feindstaat der Sowjetunion gegenüber zu vereinbaren ist.
Wir haben keinen Friedensvertrag mit der Sowjetunion. Wenn wir also unser Staatsgebiet für eine offensive, gegen die Sowjetunion gerichtete atomare Aufrüstung zur Verfügung stellen, so ist das ein militärisch-rüstungspolitischer feindseliger Akt gegen ein Land, das wir einst überfallen und massenmörderisch verwüstet haben. Dieser Schock sitzt immer noch in den Russen, zu Recht.
Da wir mit der UDSSR bis heute keinen Friedensvertrag haben, wäre sie völkerrechtlich legitimiert gegen die beschlossene, offensiv-nukleare Aufrüstung präventiv vorzugehen. Auch die sogenannte Feindstaatenklausel in der Charta der Vereinten Nationen würde sie dazu berechtigen.

So stellt sich mir die Sache in großen Zügen dar.
Sie wird natürlich komplizierter durch das Netz von Verträgen, in die beide deutsche Teilstaaten, nach West und Ost hin verflochten sind. Es ist in der gegenwärtigen, durch den Regierungswechsel in den USA unkalkulierbar verschärften Situation eine der dringlichsten Pflichten der deutschen, dem Überleben ihres Volkes verpflichteten Politiker, die verzwickte völkerrechtliche Situation genau zu analysieren und die Konsequenzen auch – und gerade – auf rüstungspolitischem Gebiert daraus zu ziehen.
Es wäre höchste Zeit, die Vertragstexte diesbezüglich genau zu studieren, statt dem Volke vorzuheucheln, dass allein der NATO-Vertrag – ohne Rücksicht auf die Lebensinteressen der im Zweiten Weltkrieg von uns Überfallenen – für unsere Rüstungspolitik maßgebend sei.
Das ist – völkerrechtlich gesehen – reiner Machtzynismus und eine nachträgliche Rechtfertigung des von uns zu verantwortenden faschistischen Angriffskrieges.
Wenn diese Tatsachen auch aus unserem Bewusstsein im Interesse eines pseudo-demokratischen Eigendünkels verschwunden zu sein scheinen, so haften sie dennoch unauslöschlich in dem unserer ehemaligen Opfer.

In einem offenen Brieg an den Bundeskanzler von 10.1.1981 bin ich bereits in allgemeinen Umrissen auf die sich hier auftuenden Probleme eingegangen. Ich schrieb da unter anderem:
Ein solches Veto-Recht (d. h. Gegen den Einsatz der neuen offensiven Atomraketen und Marschflugkörper) wäre ja doch Ausdruck der Souveränität des Bundesrepublik innerhalb der Grenzen des Bündnisses. Ist eine solche Souveränität angesichts der Tatsache, daß das Verhältnis beide Deutschen Teilstaaten zu den ehemaligen Kriegsgegnern bis heute nicht aufgrund eines Friedensvertrages, sondern aufgrund Sonderverträgen mit den ehemaligen Feindstaaten des jeweiligen Bündnisbereich geregelt ist, gegeben oder nicht?

Auf meine Fragen habe ich nur ausweichende Antworten bekommen. So behandelt man in einer Demokratie, die sich auf ihre Diskussionsfreiheit und –offenheit im Gegensatz zu den „totalitären“ Staaten etwas einbildet, den Bürger, der nach den sicherheitspolitischen Bedingungen eines Überlebens fragt.
Militär- und Rüstungspolitik darf aber nicht eine abgeschnittene Domaine der Kriegsministerien, der General- und Planungsstäbe, der Nuklearexperten und Politiker bleiben, Sie muss dem Volk in die öffentliche Diskussion, auf dem Markt, an den Stammtisch, in die Medien, ja in die Schule.
Über konventionelle Waffen mochten sich Meinetwegen die Generalstäbler und Experten auseinandersetzen, über Atomwaffen, die Hunderte von Millionen Zivilisten in Sekundenschnelle radioaktiv verschmoren, müssen diejenigen entscheiden, die verschmort werden sollen, und nicht diejenigen, die sich in Erwartung des „worst case“, wie die Bonner Führungselite, in Dernau in der Eifel einen „Bonn(z)bunker gebaut haben, in welche sie die Apokalypse des Volkes zu überleben hoffen.

Das atomare Gleichgewicht muss ein „Privileg“ der Supermächte bleiben

Solange die Atomwaffen nicht restlos abgeschafft sind – die Sowjets haben das immer wieder angeboten, und sie sind es auch, denen der katastrophale atomare Rüstungswettlauf von Beginn an aufgezwungen wurde und die bei jedem Qualitätssprung in der atomaren Spirale im Selbsterhaltungsinteresse immer nur nachzogen; das apokalyptisch-atomare Zeitalter ist ein reines Produkt und Zivilisationsgeschenk der USA und des christlich-demokratischen Westens (das muß einmal deutlich gesagt werden) – Solange also die Atomwaffen nicht abgeschafft sind, muß es eine Grundbedingung der dualen Globalstrategie bleiben, daß das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“ (wer als erster Atomraketen auf den anderen schießt, stirbt als zweiter) auf die beiden Supermächte begrenzt bleiben.
Alle Strategien und Praktiken, in dieses Gleichgewicht des Schreckens und der potentiellen gegenseitigen Vernichtung die jeweiligen Bündnispartner einzubeziehen, wie das die USA durch den Nachrüstungsbeschluss der NATO zu praktizieren gedenken, jeder Versuch, das Undenkbare denkbar zu machen, d. h. Die globale Vernichtung zu „miniaturisieren“ (um einen zur Zeit modischen Fachausdruck aus der Elektronik und Kybernetik zu gebrauchen), indem man das Gleichgewicht des Schreckens durch sogenannte Mittelstrecken- oder eurostrategische Raketen, die in Wirklichkeit verkappte globalstrategische Vernichtungswaffen sind, weil sie, wenn auch im Mittelstreckenbereich, gegen die andere Supermacht gerichtet sind, jeder Versuch also, das bisher auf die Supermächte beschränkte Gleichgewicht atomarer Vernichtungskapazität auf die Bündnispartner zu verteilen, in der Hoffnung, unter Opferung des Vasallen den Gegner zu vernichten, ohne dafür den bisher gültigen Preis der eigenen Vernichtung zahlen zu müssen, jeder solche Versuch macht das rüstungspolitische Gleichgewicht unkalkulierbar und setzt die bisherige, einigermaßen überschaubare Stabilität eines Nichtkriegszustandes (den als „Frieden“ zu bezeichnen wohl euphemistisch wäre) den Risiken eines verzwickten Aktions- und Re-Aktionsmechanismus aus, der in der Physik zum Beispiel als das Drei- oder Mehrkörperproblem bekannt ist zu den schwierigsten, wenn nicht unlösbaren Problemen dieser „Exakten“ Wissenschaft gehört.

Im strategischen und zumal atomstrategischen Bereich wächst die Unkalkulierbarkeit des Gleichgewichts und der Stabilität, der Aktion und der Reaktion in Situationen, die sich auf zahlreichen Partner verteilen, auch wenn diese zu Bündnissen zusammengefasst sind, ins Ungemeßene und Unkontrollierbare. Deshalb muss das Überlebensinteresse der Europäer vordringlich, unnachgiebig und verbissen darauf gerichtet sein, die „Miniaturisierung“ und punktuell-netzförmige Ausbreitung der atomstrategischen Vernichtungskapazität auf ihrem Gebiet unter allen Umständen zu verhindern. Wenn wir schon mit dem atomaren Damoklesschwert leben müssen, so ist die Grundbedingung, auf der wir beharren müssen, ein Minimum an Kalkulierbarkeit.
In der Diskussion um das deutsch-brasilianische Nukleargeschäft spielte die Frage der „atomaren Proliferation“ eine vordringliche Rolle. Unter Proliferation versteht man die numerische Zunahme der Länder, die über „zivile“Atomanlagen, d. h. nukleare Kreisläufe zwecks Energiegewinnung verfügen und aus dem bei der Kernspaltung anfallende Plutonium das Ausgangsmaterial zur Herstellung von Atombomben gewinnen.
Die USA haben unter Präsident Carter die „nuclear proliferation“ mit einem Bann belegt und aus diesem Grunde auch das deutsch-brasilianische Nukleargeschäft verurteilt.
Nun dehnen sie selbst die nuklear-strategische „proliferation“ auf Ihre Verbündeten aus und schaffen dadurch, ist es erst einmal soweit, unlösbare Sicherheitsprobleme für uns. In dem erwähnten Brief an den Bundeskanzler schrieb ich auch: „Der Nachrüstungsbeschluss der NATO auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen erfordert ein völlig neues Durchdenken unserer strategischen Situation, eine Klärung der Prioritäten und Auslösungsmechanismen im Bündnis, eine Klärung der Frage: Wer verteidigt eigentlich wen im Ernstfall? Wie könnte ein Veto-Recht im Ernstfall, wenn es sich, wie in Europa, um wesentlich kürzere Vorwarnzeiten handelt, überhaupt befehlsstrategisch praktiziert werden?“
Nun einfach zu sagen: Das sind Fragen, die die Generalstäbler und Militärexperten schon für uns lösen werden, wäre reiner Selbstmord. Im Unterschied zur bisherigen, durch die Jahrtausende gültigen Militärstrategie können die neuen durch die atomaren Vernichtungswaffen entstandenen Fragen nicht in den Geheimkabinetten der Militärs und Planungsstäbe verbleiben, sondern müssen angesichts der um das Millionenfache vermehrten Vernichtungskapazität klar auf den Tisch der öffentlichen Diskussion gelegt werden. Nur das wäre wahre Demokratie im Atomzeitalter. Sollten die Politiker bei ihren einsamen Parteitagsbeschlüsse und Volksmeinung souverän überspielenden Entscheidungen bleiben, müssen sie damit rechnen, dass das Volk selber die Demokratisierung in grundlegenden Überlebensfragen in Gang bringt. Es ist höchste Zeit dazu.

Soll die Bundesrepublik wieder Rampe für einen neuen Weltkrieg werden?

Niemals dürfe von deutschem Boden je wieder ein Krieg ausgehen, hieß es bei Kriegsende und bei der Gründung der Bundesrepublik.
Das Grundgesetz trug und trägt diesem Grundsatz eindeutig Rechnung. Die Alliierten saßen in den Nürnberger Prozessen über die faschistischen Kriegsverbrecher zu Gericht. Schnell wendete sich aber das Blatt. Als der Ost-West-Gegensatz mit voller Schärfe ausbrach, besannen sich die Amerikaner auf die militärischen Tugenden der Deutschen.
Daß sie die kriminellen Exzesse dieser soldatischen Tüchtigkeit in den Kriegsverbrecherprozessen selbst an den Pranger gestellt hatten, vergaßen Sie. Es ging jetzt um das „containment“, um die Eindämmung des bolschewistischen Molochs.
Dazu konnten sie die Landsknechts Mentalität und Nibelungentreue der ehemaligen Hitler-Gefolgsmannen gut brauchen. Als die EVG am Widerstand Frankreichs scheiterte, wurde die BRD ein Jahr später in die NATO aufgenommen. Aus dem entwaffneten ehemaligen Kapitulanten wurde der waffenstarrende Bündnispartner. Wie man`s gerade braucht.
Die einstmals demilitarisierte Bundesrepublik entwickelte sich zur stärksten Militärmacht des Westens nach den USA. Sie wurde zur raketengespicktesten Atomrampe der Welt, eine Atomare Auffahr-Lafette gegen die Sowjetunion im Interesse amerikanischen Hegemonialsterbens.

Es geht in westlichen Führungsgremien darum, ob die Zerstörung dieser Erde und die Ausbeutung ihrer letzten Ressourcen sich allein nach monopolkapitalistischen Methoden vollzieht oder ob man sich damit abfinden muß daß der „sozialistische Störenfried“ sich hie und da unerwünscht einmischt.
Die Bundesrepublik scheint sich in schicksalhafter Vasallentreue dem militärisch-industriellen Komplex des Westens verschrieben zu haben.
Ging von ihrem Boden – was für alle Zeiten nach dem Konzept der damaligen Sieger unmöglich sein sollte – doch noch einmal ein Krieg aus – diesmal kein national-faschistischer -, dann müßte sie den Preis der Zerstörung den sie einmal gezahlt, hat noch einmal, aber ins Apokalyptische gesteigert, zahlen.

Dagegen ist jeder Deutsche zur Gegenwehr aufgerufen.




Das Grundgesetz und das dort enthaltene Friedensgebot!

Auszug aus der Publikation „Vorgänge!“ Juni 1981 Abschreckung durch Krieg (1)

Verfasst von Heinrich Schirmbeck

In seinem Beitrag
Mit Nibelungentreue in den Untergang? Gedanken eines Demokraten zum 8. Mai 1945
geht Heinrich Schirmbeck unter anderem auf wichtige Aspekte unserer Verfassung dem Grundgesetz ein, die er wie folgt beschreibt:

Die Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und alle diejenigen, die sich für ein entmilitarisiertes, demokratisches, der Humanität und Völkerverständigung verpflichtetes Deutschland einsetzten, sahen in der Katastrophe zugleich die Garantie dass nie wieder eine solche massenmörderische Vernichtung von Deutschem Boden ausginge.

Diesen politischen Willen, der im Grundgesetz klaren Ausdruck fand ( z. B. in Artikel 26 Absatz 1 wnoach Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten; („anmerkung des Redakteurs aber auch die Produktion von Waffen die für diese Zwecke missbraucht werden können“) verfassungswidrig und unter Strafe zu stellen sind; Artikel 80 unseres Strafgesetzbuches enthält die teilweise Ausführung der in Artikel 26 GG enthaltenen Gesetzgebungsaufträge) – diesen politischen Willen also gilt es heute – sechsunddreißig Respektive 77 Jahre nach der Katastrophe, mit Zähnen und Klauen zu bewahren und zu verteidigen.
Denn das in Artikel 26 verankerte Friedensangebot ist kein bloßer Programmsatz, sondern unmittelbar verbindliche Grundsatznorm für die gesamte Rechtsordnung. Die besondere Bedeutung dieses Artikels liegt in der Unterstellung der deutschen Aussenpolitik unter das Völkerrecht. Der damit bezweckte Beitrag zum Weltfrieden besteht darin, „vor der eigenen Tür zu kehren: Jedenfalls soweit der eigene hoheitliche Einfluss reicht, soll die deutsche Friedensbereitschaft nicht mehr im klassischen Sinne des ius ad bellum politisch disponabel, sondern von der Verfassung wegen justitiabel sein und dadurch glaubhaft nach innen und aussen demonstriert werden“(siehe hierzu kommentar MÜnch/Hernekamp, GG München 1976)………

Heinrich Schirmbeck Mit Nibelungentreue in den Untergang – Auszug aus der Zeitschrift Vorgänge Nr. 51 JUNI 1981

Zu diesem Beitrag – Heinrich Schirmbeck war Mitbegründer der Partei die Grünen Deutschlands, fallen nicht erst seit Joschka Fischers Votum zur Beteiligung deutscher Soldatinnen an Kriegseinsätzen, sondern aktuell auch zur Haltung der jetzigen Bundesregierung unter Beteiligung der Partei die Grünen Deutschlands, aber auch der Friedenspartei SPD – erhebliche Fragen auf.

Den Beitrag von Heinrich Schirmbeck werden wir am 8. Mai. dieses Jahres respektive am Tag 128 im Jahr 0 von HUMANe EDEN | die EINE geeinte WELTcooperative der Kulturen und Menschen dieser Erde, in vollem Umfang publizieren.

Ihr Deutschen habt habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.“ Abgewandelt nach Mahatma Gandhi

Die moderne Literatur und die Erziehung zum Frieden

Kritik und Entwurf eines Modells – von Heinrich Schirmbeck

„Es gibt die Legende, nach welcher Vergil seine „Äneis“ verbrennen wollte. Die Gründe, die einen großen Dichter bewegen können, die eigene Schöpfung zu vernichten, sucht Hermann Broch in seiner Erzählung „die Heimkehr des Vergil“, aus der Später das große Prosa-Epos „der Tod des Vergil“ wurde, darzustellen. Er sieht und untersucht die fragwürdige Rolle des Dichters in einer Epoche, in welcher die Auflösung überkommener politischer, gesellschaftlicher, religiöser Formen die Menschen nach neuen Werten und Normen suchen lassen. In seiner Todesstunde, lässt er den Vergil also meditieren: „….mochten auch die Schlachtfelder des Reiches nun ferne sein, in Britannien, In Germanien, in Asien, es waren dort Menschen, die sich dort abschlachteten, und mochten die kaiserlichen Gerichte auch gerecht aburteilen, mochten es auch Verbrecher sein, die allenthalben auf den Richtstätten an den Kreuzen hingen und in Ihren Schmerzen sich wanden, es waren noch Menschen und Menschen waren es , die in den Arenen gehetzt wurden, zerstückelt, zerfleischt, Menschen. die einander töteten, blutvergießend, Blut, Blut, Blut, zum Ergötzen der Masse, Opfer, sinnlose Opfer zum Ergötzen des Massentieres und einer Irdischkeit, der auch der Augustus und auch der Maecenas, jeder auf seine Art, dienten, da sie alles so lassen wollten, wie es war, und höchstens nach der Schönheit strebten, blind für die Dumpfheit, blind für den Blutdurst, blind für die Einzelseele. die im Ungezügelten, kaum Gebändigten zu versinken drohte. Was aber war all dem Blute, alle den vielen Opfern, all den Qualen entgegen zu werfen? Verse? waren Verse nicht zu wenig und doch zu viel? vermochten Verse eine solche Welt zu ändern? vermag der Mann, der die Folterungen begafft und sich ihrer freut, überhaupt Verse zu hören? bedarf es da nicht eines größeren Einsatzes, um sich Gehör zu verschaffen?!“ 1

Man weiß warum Vergil den Augustus, seinen Freund so bewunderte: nicht als Heerführer und Strategen, den gerissenen Politiker oder genialen Verwaltungsfachmann, sondern als den Mann, der einem Jahrhundert blutigster Bürgerkriege ein Ende bereitete und die Pax Romana bis fast an die Grenzen der damals bekannten Welt ausdehnte. Er sah in Augustus ein Genie des Friedenmachnes.

Dieses Vorwort zu der Vortragsarbeit Heinrich Schirmbecks vor der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz aus dem Jahr 1970 soll uns einstimmen in die Denkweise des Literaten und Friedensaktivisten Heinrich Schirmbeck
Die zitierte Textzeile wurde dem Werk Hermann Broch: Die unbekannte Größe und frühe Schriften, Zürich 1961 S 212 entnommen und stammt aus
Die moderne Literatur und die Erziehung zum Frieden (Kritik und Entwurf eines Modells) Heinrich Schirmbeck!

Das Gemälde stammt von meiner sehr geschätzten Freundin Patricia Bonnet, und lautet:
When you love, everything becomes fluid and almost eternal … 
dafür vielen Dank

Hans-Jürgen Bell Herausgeber: Heinrich Schirmbeck Journal

„Das Hineinwachsen des Menschen in abstrakt-funktionale Existenzformen, welche die Wissenschaft ihm aufzwingt. Komplex und widersprüchlich wird dieser Prozess dadurch dass der einzelne Mensch in eine neue, durchaus konkrete Primitivität zurückfällt. die ihm die große Wandlung verstellt.

Die Aufgabe der Dichtung erschien noch nie so unlöslich wie in diesem Augenblick. Wenn das Vorliegende Buch dazu beitrüge, die Lage zu erhellen, wäre sein Zweck nicht verfehlt. „

Frankfurt am Main, im Mai 1964 Heinrich Schirmbeck, die Formel und die Sinnlichkeit! Erschienen 1968 im Paul List Verlag!

Zur Person des Autors:

Heinrich Schirmbeck

geboren 23.2.1915 in Recklinghausen, Abiturjahrgang 1934, wechselte vom Buchhandel zum Journalismus und war Mitarbeiter bekannter Zeitungen.
1950 erhielt er den Großen Literaturpreis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz und 1962 den Förderpreis zum Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf.

Nach zahlreichen Novellen wurde sein literarisches Hauptwerk, der Roman „Ärgert dich dein rechtes Auge“ (1957) vor allem in den englisch-sprechenden Ländern mit großem REspekt aufgenommen und in den USA als literarisch ambitionierteste Schöpfung der deutschen Sprache seit Thomas Manns „Doktor Faustus“ gefeiert. (New York Times)

Dass heute – im Jahr 2019 erkennbar ist dass neben den von Heinrich Schirmbeck beschriebenen Zwängen der Wissenschaft die auf die Wissenschaft ausgübten Zwänge der Wirtschaft noch mehr zu den nicht nur im Vorwort zu dem Werk beschriebenen Prozessen derRückführung in die Primitivität der Menschheit führten und führen, hat uns dazu bewogen die Notwendigkeit der Errichtung der Schirmbeck Institute als globale Cooperative Gemeinschaft, wie auch der Heinrich Schirmbeck freie- und friedensUniversität weiter voran zu treiben um HUMAN EDEN | die eine geeinte Welt der Kulturen, nicht nur als wiederauflage des Werkes „für eine Welt der Hoffnung“ anzunehmen, sondern als Fortschreibung des Lebenswerkes des Literaten, Friedens- und Umweltaktivisten, und Universialisten Heinrich Schirmbecks in ein reales Projekt zu erarbeiten.

Menschlichkeit

Heute sass ich wieder einmal vor einem Berg von Dokumenten, die als Hinterlassenschaft in einem Kampf um die Versöhnung — Stellenweise als Seiten und Fragmente eines Werkes mir zur Verfügung gestellt wurde, dass an Größe kaum zu überbieten, jedoch als Quell des Widerstandes – immer noch, Aktiver ist als es der Vesuv oder andere Vulkane dieser Erde, zu sein scheinen!
Hier ist auch der Widerstand gegen die Realisierung dessen was als Gedankengut vorgedacht wurde, zu vermerken!

Wenn einer Aufgabe und der Übertragung dieser – gleichzeitig auch die Prognose des Scheiterns, gewollt oder ungewollt innewohnt, dann ist es Zeit – Kräfte zu sammeln, minenfelder zu erkennen und jeden Versuch der konterminierens – im Keim zu ersticken.

Es ist schon erstaunlich und auch widersprüchlicher denn je, wenn der Einsatz für eine Welt der Hoffnung und des Friedens / Eng mit Kampf und Krieg verbunden – selten friedlich erreichbar war. Wobei die Wahl der Waffen eine entscheidende war und ist!

Menschlichkeit

Der grausamste Krieg – der menschlichste Krieg!
Zum Frieden führt er durch raschesten Sieg.
Kaum hört’s der Gegner, denkt er: Hallo!
Natürlich wüt‘ ich dann ebenso!
Nun treiben die beiden Wüteriche
Die Grausamkeit ins Ungeheuerliche
Und suchen durch das grausamste Wüten
Sich gegenseitig zu überbieten –
Jeder gegen den andern bewehrt
Durch zehn Millionen Leute,
Und wenn sie noch nicht aufgehört,
Dann wüten sie noch heute.
Frank Wedekind (1864 – 1918), deutscher Journalist und Dramatiker

Heinrich Schirmbeck

Sein Leben für eine Welt der Hoffnung


Darmstadt/Willroth: Wir erinnern heute, am 104. Geburtstages des Namensgebers unserer Stiftung – an das Werk, das Wirken und erneuern unser, anlässlich des 100 Geburtstages gegebene Versprechen – Frieden zum Produktivgut zu machen!

Heinrich Schirmbeck – Literat, Friedens- und Umweltaktivist, federführender Begründer der Friedensinitiative Deutschlands, des BUND und Mitbegründer der Partei „Die Grünen“ Deutschlands.

Wir wollen und werden seinem zeichengebendem Werk respektvoll begegnen und mit Achtung – in die von Ihm vorgezeichneten Projekte – enstsprechend seiner Zukunftsweisenden Universialität – den Weg in das Bewusstsein der Weltbevölkerung ebnen!

Und hier – nehmen wir sein Andenken ernst – und bieten WEDER – extremen Ideologien – NOCH – extremen Eitelkeiten – eine Plattform sich zu entwickeln!

Für eine Welt der Hoffnung in eine Welt des Friedens zu wandeln, haben wir unserem Gesamtengagement den Namen HUMAN EDEN | die Eine geeinte WElT der Kulturen, gegeben.

Unsere Welt der Wissenschaft

Fritz Usinger (* 5. März 1895 in Friedberg, Hessen; † 9. Dezember 1982 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Übersetzer.

„Unsere Welt ist eine Welt der Wissenschaft. Diese Wissenschaft in den Bereich der Literatur zu integrieren ist deshalb eine Aufgabe der Dichter, sofern Literatur und Dichtung überhaupt Zukunft haben sollen.

Die junge Literatur aber weicht dem Problem aus. Sie verschreibt sich dem sozialkritschen Engagement oder dem sprachlich-formalen Experiment.

Das sind notwendige Funktionen, aber sie führen nicht an die Wurzel der Dinge.

Die Literatur übt Selbstkastration, indem sie durch bewusstes Vorbeisehen an den Kräften, die die Welt verändern, sich ihrer vorbildhaften und modellgebenden Funktion im Kräftespiel um die Gestaltung der Zukunft begibt.
Wirklichkeit und Zukunft werden heute ohne Dichter gemacht!
auch Dichter haben Labors, auch Dichter trieben Experimente: mit der Sprache.
Das aber, was die Wissenschaft zu einem wirklickeitsverändernden Faktor macht, erreichen sie damit nicht.

Die vorliegende Dokumentation vereinigt Stimmen zu einem Werk, das die Aufgabe der Literatur, an der Interpretation und Bewusstseinserhellung einer durch Wissenschaft revolutionierten Welt teilzunehmen, ernstnimmt.

Noch fehlen die kritschen Kategorien, einem solchen singulären Bemühen den legitimen Platz im Spannungsfeld zwischen Literatur und Wissenschaft zuzuweisen.

Diese Kategorien für die Kritik zu erarbeiten, sollen die Zeugnisse dieser Dokumentation erleichtern helfen.

Aus dem reichhaltigen Material der Analysen und Darstellung konnten aus Raumgründen nur die Wesentlichen Texte und diese leider nur in Auszügen oder Kurz-Zitaten dargeboten werden“

Vorwort, verfasst von Fritz Usinger zu:
Literatur und Wissenschaft – Das Werk Heinrich Schirmbecks, erschienen im Jahr 1968 herausgegeben von Fritz Usinger

Literatur und Wissenschaft- Einführung in das Werk von Heinrich Schirmbeck

Großbeeren letzter Sonntag nach Epiphanias,

27.01.2019 | Celine van der Hoofd

Anlässlich des Gedenktages der Opfer des Nationalsozialismus!

Die Predigt

„Ein Heide fragte einmal Rabbi Josua ben Karechah: »Warum wählte Gott einen Dornbusch, um mit Mose aus ihm zu reden?« Der Rabbi antwortete: »Hätte er einen Johannisbrotbaum oder einen Maulbeerbaum gewählt, so würdest du ja die gleiche Frage gestellt haben. Doch es ist unmöglich, dich ohne eine Antwort fortgehen zu lassen. Daher sage ich dir, dass Gott den ärmlichsten kleinen Dornbusch gewählt hat, um dich zu belehren, dass es auf der Erde keinen Platz gibt, an dem Gott nicht anwesend ist. Noch nicht einmal in einem Dornbusch.“ Die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch, wer kennt sie nicht von uns und selbst unter den „Heiden“ – wie es unsere kleine Geschichte von eben zeigt – ist sie bekannt. Es ist eine schöne Geschichte, besonders auch für den Kindergottesdienst. Erlaubt sie doch eine wunderbare bildhafte Sprache und Darstellung. Wenn ich an meine eigene Kindheit und an die meiner Kinder zurückdenke, es gibt nichts was eine so unerreichbare Faszination ausübte wie Wasser, Sand und eben Feuer. Und wenn sie selbst es sagen müssten, welches Bild kam ihnen zuerst in den Sinn als sie von Mose und dem brennenden Dornbusch hörten? Bei mir waren es sofort die tanzenden Feuerflammen. Doch bevor wir uns intensiver mit unserem heutigen Bibeltext beschäftigen, hören wir ihn uns noch einmal an, wie er in der Bibel steht:

1 Mose aber weidete die Herde Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian. Und er trieb die Herde über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2 Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Und er sah hin, und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, und der Dornbusch wurde nicht verzehrt. 3 Und Mose sagte sich: Ich will doch hinzutreten und diese große Erscheinung sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt. 4 Als aber der HERR sah, dass er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Und er sprach: Tritt nicht näher heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden! 6 Dann sprach er: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Der HERR aber sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine Schmerzen. 8 Und ich bin herabgekommen, um es aus der Gewalt der Ägypter zu retten und es aus diesem Land hinaufzuführen in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig überfließt.

Gott sucht:

Mose, der jüdische Junge, von seiner Mutter in Ihrer Verzweiflung in einem Schilfkörbchen ausgesetzt, aufgezogen im Palast des Pharaos, muss fliehen, weil er einen Menschen getötet hat. Weit ab von der Welt könnte man sagen, findet er eine neue Heimat. An einem Ort, wo nur wenig Menschen hinkommen. Einem Ort, der mehr Wüste als fruchtbares Land ist. Wo Wasser wertvoller ist als Gold und Silber und wo keiner ihn suchen wird. Er kann sich eine neue Existenz aufbauen. Heiratet, gründet eine Familie. Hier kann ihn keiner finden. Und sicherlich wird auch so langsam bei Mose die Vergangenheit in Vergessenheit geraten sein. Man geht davon aus, dass Mose zu dieser Zeit ungefähr 60 Jahre alt war und das Zenit seines Lebensalters schon überschritten hatte. Und doch, – keiner sucht ihn? – Gott sucht ihn! – Und Gott findet ihn. Selbst als er die Wüste durchquert hat und am hintersten Ende der Erde ist, findet Gott ihn. Schon am Anfang dieser Geschichte wird etwas ganz wunderbares deutlich. Zum einen: Der Mensch kann fliehen und sich verstecken wo er will, er kann im Nirgendwo verschwinden wie es mit den Opfern des Nationalsozialismus geschah, Gott kann und will ihn finden. Und das zweite, keine Suche ist Gott zu mühsam, kein Weg zu weit – um es mal mit menschlichen Worten auszudrücken – Gott geht auch dem „Mindesten“ unter seinen Menschen nach. Ich habe gerade die Opfer des Nationalsozialismus angesprochen, und es ist nur logisch, dass sofort die Frage nach dem Warum aufkommt. Wenn Gott jedem seiner geliebten Menschen nachgeht, warum dann nicht diesen gequälten Menschen. Die Frage ist berechtigt und ich möchte sie stehen lassen. Zum einen, weil wir Menschen darauf keine Antwort finden werden und können, zum anderen aber auch, weil unser Text von heute noch weiter geht.

Gott ruft

Mose hat die Zeit in der Wüste gebraucht. Es war seine Lebensschule, um es mal so zu sagen. Die Durststrecke, die auch wir immer wieder erleben, die uns an uns und unserer Umwelt verzweifeln lässt, aber uns am Ende auch – wenn es gut ist – wieder ein Stück weiser und empfänglicher macht für das, was wirklich wichtig ist. Wenn ich hier von Lebensschule spreche, dann meine ich nicht die Zeit der Qual, wie sie bei Krankheit, Verfolgung und Gefangenschaft entstehen kann. Ich rede hier in erster Linie von einer Zeit des Innehaltens. Einer Zeit, wo wir spüren, dass wir an einem Scheideweg angekommen sind. Einer Zeit, wo wir uns überlegen müssen, was wir wirklich wollen, wie es weitergeht. Einer Zeit vielleicht auch des sich Zurückziehens und des sich Besinnens. Einer Zeit der Ruhe. Die Auslöser für diese Zeit können unterschiedlicher Art sein. Bei Mose war es die Flucht, er der Reiche, der nur Helfen wollte war zum Mörder geworden und muss alles das, was war, was wichtig für ihn war hinter sich lassen. Mose muss sich ganz neu finden, denn alles das was ihn ausgemacht hat ist nicht mehr. Alles das worauf er sein Leben aufgebaut hat, hat er verloren. All das, was sein Denken und Handeln geprägt hat ist nutzlos. In der Wüste, in der Einöde, wo nichts an den früheren Mose erinnert, dort findet er die Ruhe und den Ort, um sich dieser neuen Situation zu stellen. Dort begegnet er sich selbst. Das ist bei uns Menschen in der heutigen Zeit nicht anders. In der Hektik des Alltags, in einer Zeit wo so viele Informationen und Bilder auf uns einstürmen, wo die Anforderungen von Arbeit und Familie durch den Druck der Masse, den allgemeinen Erwartungen was „Man“ tut immer größer werden, wo man nur noch gelebt wird als selber zu leben, in dieser Hektik kommt irgendwann der Zeitpunkt wo es nicht mehr weitergeht. Man/ich bin gezwungen innezuhalten. Und so manch einer zieht sich zurück von Welt und Umwelt, sucht Räume der Ruhe und Stille. Diese Zeiten sind wichtig, sind lebenswichtig, damit ich wieder lerne und spüre, dass ich Mensch bin und nicht eine Maschine. „Ich bin kein Roboter“ heißt es oft im Internet, wenn man etwas bestellt. Und dieser Satz birgt mehr Wahrheit, als es im ersten Moment scheint. Nein, ich bin Mensch und deswegen brauche ich manchmal auch eine Wüste. Dort kann und werde ich mir vielleicht auch selbst begegnen. Und nicht immer ist das ein schöner Moment. Ich sprach schon davon: es kann eine Durststrecke sein, eine Zeit der Selbstzweifel, eine Zeit der Unsicherheit. Aber es ist ein Weg. Ein Weg wie ihn Mose durch die Wüste gehen musste. Am Ende seiner Wüstenwanderung kommt Mose an den Berg Horeb. Er lässt die Wüste hinter sich und kommt dort hin, wo er Weide für seine Herde findet. Es ist dieser Ort und dieser Moment, wo Gott ihn ruft und jetzt ist Mose auch in der Lage zu zuhören. Und noch eine Besonderheit: Gott ruft Mose mit Namen, er ist es mit dem er sprechen will, er, Mose der Mörder und kein anderer. Die Zeit der Wüste wird ein Ende haben. Bei uns auch, spätestens dann, wenn ich nicht mehr wie ein mechanisch funktionierendes Lebewesen durch meine Erdenzeit hetze. Sie wird dann ein Ende haben, wenn ich wieder die Ruhe gefunden habe zu hören, wenn Gott mich ganz persönlich mit meinem Namen ruft. Diese Durststrecke wird dann ein Ende haben, wenn ich wieder in der Lage bin zu antworten. Nicht mit einem einfachen Ja, sondern wie Mose mit den Worten „hier bin ICH“. Dann bin ich auf offen dafür, dass eventuell ein neuer Weg anbricht. Vorsicht, ich möchte es noch einmal deutlich sagen, Ende einer Durststrecke, der Beginn von etwas Neuem heißt definitiv nicht, dass das Leben leichter wird. Nein, das Leben ist immer eine Herausforderung, solange wir hier auf Erden sind. Egal ob Säugling oder Rentner im hohen Alter, das Leben ist und bleibt eine Herausforderung!

Gott sendet

Diesen Teil der Geschichte finde ich eigentlich am schwierigsten zu vermitteln. Immer dann, wenn im Alten Testament von Gott die Rede ist und zwar von Situationen wo er mit den Menschen in Kontakt tritt möchte er etwas: entweder, dass sie ihm Rede und Antwort stehen (Adam wo bist du?) oder er hat einen Auftrag wie z. Bsp. in der Jonageschichte. Dabei sehnen wir uns doch in erster Linie nach Liebe, Geborgenheit, nach „Streicheleinheiten“ und nicht schon wieder nach irgendeiner Action. Doch wenn man genauer hinschaut ist Gottes Sendungsauftrag nicht eine Art Beschäftigungstherapie als reiner Selbstzweck. Wenn Gott aktiv wird, wenn er sendet, dann will er retten. Und zwar nicht sein Eigentum, sondern seine Schöpfung, seine Menschen. Retten, damit sie endlich in eine Beziehung zu Ihm ihren Schöpfer treten können. Die Sendungsaufträge sind ganz unterschiedlicher Art, und sie sind nie größer als der, der sie ausführen soll. Das heißt nicht, dass sie leicht sind. Mose bekommt später den Auftrag, das Volk Israel aus dem Land der Ägypter zu führen. Und er ist so manches Mal an den Forderungen und dem Verhalten von Gottes Volk verzweifelt. Doch im Gegensatz zu früher, als er noch im Palast des Pharaos wohnte, ist er sich nun bewusst, dass nicht er derjenige ist der alles kann und muss, der auf sich alleine gestellt ist. Sondern dass er in Gott einen verlässlichen Partner hat, jemanden, der ihn nicht im Stich lässt und ihn mit allem Notwendigen für seinen Auftrag ausstattet. Gott braucht nicht den großen vor Selbstsicherheit strahlenden Manager, er braucht Menschen, die sich ihrer eigenen Schwachheit und ihre eigenen Grenzen bewusst sind. Er braucht Menschen, die sich ihm zuwenden und ehrlich zugeben „ich kann das nicht“, ungeachtet ob Professor oder Landarbeiter. Er sucht Menschen, die sich ihm zuwenden und bereit sind sich von ihm helfen zu lassen und die dann den Mut haben das Leben anzugehen und zu leben.

Gott rettet

Heute ist auch ein Gedenktag, wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus. Gerade an so einem Tag ist es schwierig zu vermitteln, dass Gott Menschen in Not retten kann und will. Wo war Gott, bei den grausamen Transporten? Wo war Gott bei den Hinrichtungen und Massenmorden? Wo war Gott, wenn KZ-Häftlinge sich als Arbeiter für Firmen und so weiter zu Tode schuften mussten? Ich weiß keine Antwort und ich möchte auch nicht versuchen das zu erklären, denn mit menschlichen Worten lässt sich dieses Elend nicht erklären und nicht entschuldigen. Aber glauben Sie mir, ich werde nicht aufhören diese Frage zu stellen. Denn wenn ich aufhöre diese Frage zu stellen, dann höre ich auch auf, das Leid und Elend wahrzunehmen. Dann höre ich auch auf mich zumindest mit meiner Stimme mich gegen diese Ungerechtigkeiten zu stellen. Doch auch hier zeigt uns der Bibeltext von heute, dass das Schicksal seiner Kinder Gott nicht egal war und Gott nicht egal ist. In Vers 7 steht: Der HERR aber sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine Schmerzen. Gott war nicht blind für das Elend für die Schmerzen für die Not. Und Gott ist es auch heute nicht! Auch wenn wir keine Antworten finden, wir können auf jeden Fall darauf vertrauen, dass es Gott nicht egal ist was passiert und dass er mitleidet, mitempfindet und und und. Und ganz gewiss ist er nicht nur stiller Betrachter! Damals war es Mose, der gesagt hat „hier bin ich“ und auch heute wird Gott nicht aufhören Menschen zu suchen und zu rufen, die dem Leid und dem Elend etwas entgegensetzen. Als allererstes seine Liebe, Gottes Liebe! Ich glaube an die Sonne, selbst wenn sie nicht scheint, Ich glaube an die Liebe, selbst wenn ich sie nicht fühle, Ich glaube an Gott, selbst wenn er schweigt. (eingeritzt in die Mauern von Ausschwitz von einem jüdischen KZ-Häftling)
Wenn es ein Mensch in einer solchen Situation schafft, so etwas zu schreiben, warum ist es dann für uns so schwierig? Wir werden von Gott geliebt, gesucht, gerufen und gesendet. • Lassen Sie uns diesen Tag und diese Botschaft Gottes zu Herzen nehmen. • Lassen sie uns Lieben, auch wenn die Situation ausweglos erscheint. • Lassen Sie uns den Menschen zeigen, dass Gottes Liebe es ist, die den Waffen und dem Kriegslärm unserer Zeit etwas entgegenzusetzten hat. • Lassen Sie uns der Welt zeigen, dass Gottes Ruf auch heute noch erklingt und auch heute noch etwas bewegen kann an Orten wo Mensch, Natur und Tiere zu leiden haben. • Und lassen sie uns unsere Umgebung spüren, dass selbst wir, die wir uns so schwach und unfähig fühlen, noch etwas bewegen können. Im Kleinen fängt die Veränderung an nicht im Großen. Im Lächeln erreiche ich meinen Mitmenschen, nicht mit verschlossenen Türen. Im Gebet trage ich die Verantwortlichen dieser Welt in Gottes Sinne, nicht mit Wuttiraden. Lasst uns Gott zeigen, dass wir bereit sind für sein Kommen

Abschlussbild Prediktmanusscript 27012019 Celine van der Hoofd


Amen!

Novalis der Moderne!

Seit Beginn der Arbeit um das Werk von Heinrich Schirmbeck, der Initiierung der Heinrich Schirmbeck freie- und friedensUniversität, der Schirmbeck Institute eG und den vielen anderen Aktionen, die dazu führten die Heinrich Schirmbeck Friedensgespräche „für eine Welt der Hoffnung“ zu gestalten und durchzuführen, wurden sehr viele weitere Aktionen als begleitende Maßnahmen begonnen und auch umgesetzt. Es wurden natürlich auch sehr viele Texte aus einem Repertoir von unermesslichem Umfang und unschätzbarem Wert für die Gesellschaft zitiert.

Die beigefügte Fotoserie soll einen kleinen Einblick in den Umfang dessen was schon geleistet wurde und was noch zu leisten ist vermitteln.

Das Manuscript – Für eine Welt der Hoffnung – es gibt es wirklich!
Das Werk an sich – so zeigt eine Teilablichtung des Inhaltsverzeichnisses – ist als GANZES, weit aus mehr als nur die Summe seiner Einzelteile. Es ist die gelebte Aufforderung Werte zu überdenken, Bildung anders in der Umsetzung zu definieren und natürlich Friede zu dem Produktivgut zu erklären, im Sinne von Heinrich Schirmbeck!

Wer sich die Worte von Margarethe Dierks, https://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_Dierks

Schirmbeck, freien, humanen und demokratischen Geistes und voll Verlangen von Jugend an, selbst Erkenntnisse zu erarbeiten und sie nicht aus vorgedachten Systemen der Geisteswissenschaften oder Moraltheologie zu übernehmen, widmete sich dem Entwurf lebenslanger Zukunft, denkerisch als Philosoph, gestalterisch als Schriftsteller und politische als aufgeklärter Mitbürger in der Bundesrepublik!“ Margarete Dierks, anlässlich des Todes von Heinrich Schirmbeck am 4.7.2005 zu Dichtung und Naturwissenschaft! 

aber auch den anderen Stimmen die sich zu und über Heinrich Schirmbeck äußerten und es auch heute noch tun, anhört wird möglicherweise zu erkennen vermögen was in Wirklichkeit dahinter steht und natürlich auch die Form der Realisierung durch den Co-operative Gedankens nachvollziehen können.

„Jene wenigen aber, die mit brennenden Augen in die Jahrhunderte starren, die da kommen werden – jene Stirnen, hinter denen, unbekannt noch, die Welt von morgen ein neues Gesicht annimmt; jene, die die noch verhüllten Strukturen des Künftigen zu ertasten versuchen – Wegbereiter und Neuerer-, es hat sie zu allen Zeiten gegeben und Heinrich Schirmbeck ist einer von Ihnen. Rufer in der Wüste, so könnte man meinen, aber auch Warner vor der Wüste, die wir hinterlassen werden, wenn isch nichts Entscheidendes ändert.“ Manfred Menzel, Laudatio in: der neue hessische Landbote

Etwas was nicht einfach so zwischen Tür und Angel geschieht, auch nicht mal einfach so!

Es ist ein Projekt über dass man natürlich sprechen muss, in den Heinrich Schirmbeck Friedensgesprächen, aber auch in den anderen Formaten die die Schirmbeck Stiftung und die Heinrich Schirmbeck Gesellschaft Schriftsteller der Rosenhöhe in Vergangenen Jahren erarbeitet und schon realisiert haben.

Es geht um nichts anderes als um unsere Zukunft und die unserer Kinder, wir können warten bis die Dinge uns erledigt haben, oder wir können handeln um die Dinge den Lauf zu geben den wir möchten!

Jetzt!

Hier eine kleine Zusammenfassung dessen was wir damit meinen wenn wir ein Leben „für eine Welt der Hoffnung“ sagen!

Heinrich Schirmbeck 100718-07-10

Umrisse einer Weltsicherheitsgemeinschaft

Ausschnitt aus dem 1984 gesendeten Rundfunk-Essay

Die immer extensivere und intensivere Wechselbeziehung zwischen Nationalstaat und Krieg, von der Einführung des Dampfmotors Ende des 18. Jahrhunderts bis zu unserem Plutonium-Zeitalter, hat die entscheidenden Faktoren zum Aufschwung des Industriesystems begünstigt: große Absatzmärkte, gesicherte massive Verkäufe an die nationalen Armeen, beschleunigtes Investitionswachstum, Konditionierung der Masseninstinkte im Hinblick auf die Steigerung des Konsums und die Verteidigung“ dieser Konsum-Zivilisationsgüter durch Rüstung und Militär.

Es kann sich nicht mehr darum handeln, dieses System von  heute auf morgen zu stürzen. Sein Zusammenbruch würde zunächst das Chaos bedeuten, da es außerhalb des Systems keine Aufnahmestrukturen für die Alternativen gibt. Es geht eher darum, die neuen Strukturen auf regional-nachbarschaftlicher Basis langsam. In unermüdlicher Kleinarbeit, im ständigen Kontakt mit dem Nächsten in Haus, Familie, Gruppe, Gemeinde, Betrieb, Schule, Ortsverein usw. zu erproben, damit sie einsatzfähig sind, wenn das System eines Tages abgewirtschaftet hat, weil die Ressourcen ausgehen, das Wachstum stockt, die Absatzmärkte schrumpfen, Arbeitslosigkeit und Inflation anschwellen und die Rüstungslasten untragbar werden, kurz: wenn der Industrierealismus, der, wie die Einsichtigen seit einiger Zeit wissen, nur eine kurzlebige Raub- und Ausbeutungsperiode af diesem Planeten sein kann und konnte, in den letzten Zügen liegt.

Dann muss die neue Aufnahmestruktur, müssen die Prinzipien einer neuen Energiewirtschaft, etwa eine dezentrale Sonnen-Wasserstoff-Wirtschaft, wie sie die Energiewissenschaftler John O. Bockiris und Eduard Justi bereits im realisierbaren exakten Modell ausgearbeitet haben: überschaubare Produktionseinheiten, eine dynamische Kreislaufwirtschaft, das Recycling der Rohstoffe, eine Verkehrsreform vom Auto weg zum öffentlichen Nah- und Fernverkehr, Selbstgestaltung der Produktionsabläufe auf basisdemokratischer Grundlage usw., dann müssen alle diese neuen Strukturen eines menschenmaßgerechten Wirtschafts- und Soziallebens in bereits praktisch auf regional-kommunaler Basis ausprobierten Keimzellen bereitstehen. Anders ist die große Wandlung kaum vorzustellen.

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An dieser Stelle vielleicht noch ein kurzer Blick auf eine neue Konzeption des sogenannten Bruttosozialproduktes. Seine Höhe, die Menge also der materiellen, handwerklichen, industriellen und landwirtschaftlichen Produkte, aber auch die sozialen Dienstleistungen, wie Verwaltung, Verkehr, Justiz, Medizin, Finanzen etc., gilt als Maßstab des individuellen und sozialen Wohlbefindens. Aber der Beweis, dass die Gesellschaft mit dem höchsten Bruttosozialprodukt auch die glücklichste Gesellschaft ist, ist angesichts der steigenden Krebs- und Selbstmordrate, der Unsicherheit, der Angst, der wachsenden Kriminalität, des Terrors etc. immer schwerer zu führen.

Vielleicht sollte man deshalb den Begriff des Bruttosozialproduktes BSP durch den des Bruttosozialglückes BSG ersetzen. Bruttosozialglück entsteht, wenn jeder Bürger in dem Sinne glücklich wird, dass er sich in einem inneren Einklang mit dem von ihm geführten Leben befindet.

Ich denke in diesem Zusammenhang etwa an das Problem der strukturellen, durch Automatisierung, Rationalisierung und Mikroelektronisierung beschleunigt wachsender Arbeitslosigkeit. Es könnte gelöst werden, wenn wir zu einer Neudefinition des BSP im Sinne des BSG kämen. Die bisherige Auffassung geht davon aus, dass Arbeitsplätze nur dann wirklich produktiv sind, wenn sie entweder materielle Verbrauchsgüter schaffen oder Abgeltbahre soziale Leistungen erbringen.

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Arbeitsplätze dagegen in den ökologischen Bereichen werden bisher, wenn sich auch, sogar bei den Machthabern und Profitmanagern, ein allmählicher Wandel des Denkens vollzieht, mehr als Kostenfaktoren angesehen, die, die Volkswirtschaft belasten. Aus der Perspektive des BSG betrachtet, ist eine solche Sichtweise jedoch blanker Unsinn, denn reines Wasser, saubere Luft, sauerstoffproduzierende Wälder, eine unvergiftete Pflanzen- und Tierwelt, das sind doch keine Kostenfaktoren, sondern die eigentlichen Produkte der Natur, von denen wir alle leben und auf deren Grundlage unsere Produktionsfähigkeit erst gedeiht und die bisher nur deshalb nicht als die grundlegenden Aktivposten in die nationalökonomische Bilanz eingegangen sind, weil der national-ökonomische Eigentums Begriff nicht eindeutig auf sie anwendbar ist. Sie sind Gemeineigentum, gehören also zu jener Geobiologischen Kategorie, die man in der antiken und mittelalterlichen Wirtschaft als die „Allmende“ bezeichnete. Die Tragik dieser Allmende besteht darin, dass niemand, am allerwenigsten die Profitkonzerne, sich für ihre Pflege und Reinhaltung verantwortlich fühlt. Jeder lädt seinen Schmutz und sein Gift dort ab, in der egoistischen Kalkulation, dass der dadurch erzielte private Nutzen den von ihm in Kauf zu nehmenden allgemeinen Schaden hundert- oder tausendfach aufwiegt.

Nichtsdestoweniger sind der Gaben der Allmende nicht weniger Produkte als jene Gaben, die wir Essen und Trinken unser Leben erhalten und die wir durch Arbeit erzeugen müssen. Arbeitsplätze, die diese gemeineigenen Güter erzeugen, sind also, auch national-ökonomisch gesehen, mindestens genauso notwendig wie die Arbeitsplätze der konventionellen Güter- und Sozialleistungs-Produktion.

Zu diesen Produktionsgütern gehört auch der Friede. Er erst ist ja die Voraussetzung aller anderen Güterproduktion. Er gehört zu der Perversionen und Ungeheuerlichkeiten der geläufigen Wirtschaftstheorie des Industriezeitalters, dass die Produkte der Rüstungs-Industrie, die im Frieden keinen anderen Zweck und Sinn haben als auf ihre Verschrottung, die bereits in ihre Produktion einkalkuliert ist, zu warten, weil sie in der sich immer schneller drehenden Rüstungsspirale bereits bei ihrer Fertigstellung veraltert sind, und die im Kriege der Massenzerstörung dienen, dennoch als Faktor in das BSP eingehen. Im System des Bruttosozialglücks wäre das nicht mehr der Fall. Da ist der Friede gewissermaßen das fundamentale Produktionsgut, auf dessen Grundlage alle anderen erst ihren Sinn und Nutzwert gewinnen.

SChirmbeck-der Literat

Friede als Produktionsgut: eine Sicht, die sogar hartgesottene Rüstungs-Monopolkapitalisten beflügeln könnte, endlich die Produktion auf das einzig positive und auf absehbare Dauer rentable Produktionsgut umzuschalten.

Friede als Produktionsgut: ein Antrieb, eine unvergleichbare Motivation für schöpferische Kreativität auf allen Lebensgebieten. Wenn der Friede das allen gemeinsame Produktionsgut ist, könnte er allen Nationalwirtschaften als erstrebenswertes Produktionsziel dienen, das zugleich den Vorteil hätte, dass der lästige und konfliktträchtige Konkurrenzdruck zwischen den einzelnen nationalstaatlichen Volkswirtschaften – ich nenne nur das Konkurrenzdreieck Japan-USA-Westeuropa – wegfiele, denn wer Frieden produziert, ermöglicht damit auch dem anderen, Frieden zu produzieren. Das wäre dann der andere, der wirtschaftliche Aspekt der internationalen Sicherheitsgemeinschaft!

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